Die Europäische Kommission stuft ChatGPT ab sofort als „Very Large Online Search Engine“ ein. Damit fällt der Dienst in der EU unter die strengste Aufsichtsstufe des Digital Services Act. Für Nutzer ändert sich nicht über Nacht die Oberfläche, OpenAI muss aber künftig deutlich umfassender erklären, prüfen und begrenzen, welche Risiken von ChatGPT und seiner Websuche ausgehen.

Der Auslöser ist die Reichweite. ChatGPT, Reddit und Roblox haben jeweils mindestens 45 Millionen durchschnittliche monatliche Nutzer in der Europäischen Union gemeldet. Reddit und Roblox gelten dabei als sehr große Onlineplattformen, ChatGPT dagegen ausdrücklich als sehr große Online-Suchmaschine.[1]

ChatGPT und der DSA in 60 Sekunden

  • ChatGPT gilt in der EU nun als sehr große Online-Suchmaschine, kurz VLOSE.
  • Die Schwelle liegt bei mindestens 45 Millionen monatlichen Nutzern in der EU.
  • OpenAI muss bis Januar 2027 zusätzliche DSA-Pflichten erfüllen.
  • Im Mittelpunkt stehen Risiken durch illegale Inhalte, Gefahren für Minderjährige, Grundrechte, Wahlen und öffentliche Sicherheit.
  • Für Nutzer entsteht zunächst keine neue Einstellung oder Bezahlpflicht.

Warum ChatGPT plötzlich als Suchmaschine gilt

Die Einstufung ist bemerkenswert, weil ChatGPT normalerweise als KI-Chatbot wahrgenommen wird. Aus Sicht der EU zählt jedoch die tatsächliche Funktion. ChatGPT beantwortet Suchanfragen und kann dafür Informationen aus dem Web abrufen. In dieser Rolle konkurriert der Dienst zunehmend mit klassischen Suchmaschinen, auch wenn die Ergebnisse als formulierte Antwort statt als Linkliste erscheinen.

Die EU behandelt ChatGPT deshalb nicht einfach wie ein soziales Netzwerk. OpenAI wird für den Suchteil des Dienstes in eine Kategorie eingeordnet, zu der bereits besonders reichweitenstarke Suchangebote gehören. Das ist mehr als ein neues Etikett. Es schafft eine Grundlage für direkte Aufsicht, Risikoprüfungen und externe Kontrollen.

Was OpenAI jetzt erfüllen muss

Nach der offiziellen Einstufung hat OpenAI vier Monate Zeit. Die Kommission nennt Januar 2027 als Frist für die zusätzlichen Pflichten. Dazu gehören die Bewertung und Begrenzung sogenannter systemischer Risiken. Gemeint sind nicht nur klar illegale Inhalte. Die Prüfungen müssen auch mögliche negative Folgen für Minderjährige, die körperliche und psychische Gesundheit, Grundrechte, Wahlprozesse und die öffentliche Sicherheit berücksichtigen.[1]

Für sehr große Dienste kommen außerdem strengere Transparenz-, Prüf- und Beschwerdeanforderungen hinzu. Der DSA sieht unter anderem nachvollziehbare Kontakt- und Meldewege, Begründungen für Moderationsentscheidungen sowie Beschwerdemöglichkeiten vor. Nutzer können mutmaßliche Verstöße zudem beim zuständigen Digital Services Coordinator melden.[2]

Was sich für ChatGPT-Nutzer konkret ändert

Kurzfristig wahrscheinlich wenig. Die Einstufung schaltet keine neue Funktion frei und macht ChatGPT nicht automatisch genauer. Sie verpflichtet OpenAI auch nicht dazu, jede einzelne Antwort oder Quellenentscheidung öffentlich offenzulegen. Wer ChatGPT heute verwendet, sollte Antworten deshalb weiterhin prüfen und wichtige Aussagen über die verlinkten Originalquellen absichern.

Mittelfristig dürfte der Druck auf OpenAI steigen, Risiken der Websuche nachvollziehbarer zu dokumentieren und Beschwerden klarer zu bearbeiten. Besonders interessant wird, wie der Dienst mit problematischen Suchergebnissen, Jugendschutz und politisch sensiblen Themen umgeht. Genau dort kann eine scheinbar neutrale KI-Antwort besonders viel Wirkung entfalten.

Die DSA-Einstufung ist außerdem nicht mit der europäischen KI-Kennzeichnungspflicht gleichzusetzen. Der DSA regelt hier den großen Onlinedienst und seine Risiken. Die Kennzeichnungspflichten betreffen dagegen bestimmte KI-erzeugte oder manipulierte Inhalte. Beide Regelwerke können gleichzeitig relevant sein, verfolgen aber unterschiedliche Ziele.

Häufige Fragen zur neuen ChatGPT-Einstufung

Wird ChatGPT in der EU eingeschränkt?

Die Einstufung allein sperrt keine Funktionen. OpenAI muss zusätzliche Risiken prüfen, Gegenmaßnahmen dokumentieren und strengere DSA-Anforderungen erfüllen.

Ab wann gelten die zusätzlichen Pflichten?

Die Europäische Kommission nennt Januar 2027. Bis dahin läuft die viermonatige Umsetzungsfrist nach der offiziellen Benachrichtigung.

Warum ist ChatGPT eine Suchmaschine und keine Plattform?

Entscheidend ist die Suchfunktion. ChatGPT beantwortet Anfragen und kann dafür das Web durchsuchen. Reddit und Roblox verbreiten dagegen vor allem Inhalte ihrer Nutzer und wurden deshalb als sehr große Onlineplattformen eingestuft.

Muss ich als Nutzer etwas tun?

Nein. Die neuen Pflichten richten sich an OpenAI. Es bleibt trotzdem sinnvoll, wichtige KI-Antworten zu prüfen und Originalquellen zu öffnen.

Quellen und Stand
  1. Europäische Kommission: Commission designates ChatGPT, Reddit, Roblox under Digital Services Act, veröffentlicht am 31.08.2026, abgerufen am 01.09.2026.
  2. Europäische Kommission: User rights under the Digital Services Act, aktualisiert am 17.07.2026, abgerufen am 01.09.2026.
Informationsstand: 01.09.2026, 17:00 Uhr CEST.
Bildnachweise: Titelbild: KI-generierte redaktionelle Illustration mit OpenAI ImageGen, erstellt am 01.09.2026. Keine Aufnahme eines realen Ereignisses und keine Darstellung der echten ChatGPT-Oberfläche.