True-Wireless-Kopfhörer haben ein Problem, über das bei Tests erstaunlich selten gesprochen wird: Der Akku altert, ist bei vielen Modellen verklebt und macht ein technisch noch funktionierendes Produkt irgendwann praktisch unbrauchbar. Fairphone setzt bei den Fairbuds 2 genau dort an.
Für 119 Euro gibt es austauschbare Akkus in den Ohrhörern und im Ladecase, sieben wechselbare Komponenten, LDAC, Hybrid-ANC, Multipoint und bis zu 40 Stunden Gesamtlaufzeit. Damit konkurrieren die Fairbuds 2 nicht nur über Nachhaltigkeit, sondern auch über ein ziemlich vollständiges Datenblatt.
- 119 Euro UVP mit LDAC, Hybrid-ANC und Bluetooth 6.0.
- Akkus in beiden Earbuds und im Ladecase sind austauschbar.
- Bis zu acht Stunden Laufzeit ohne ANC und bis zu 40 Stunden mit Case.
- Der größte Vorteil entsteht für Nutzer, die ihre In-Ears länger als zwei oder drei Jahre behalten wollen.
Warum austauschbare Akkus bei In-Ears so wichtig sind
Lithium-Akkus verlieren mit jedem Ladezyklus etwas Kapazität. Bei einem Smartphone kann sich ein Akkutausch noch lohnen. Bei winzigen True-Wireless-Earbuds ist er häufig gar nicht vorgesehen.
Das führt zu einer absurden Situation: Treiber, Mikrofone und Elektronik funktionieren, aber 45 Minuten Laufzeit machen das Produkt unbrauchbar. Fairphone begegnet diesem Problem mit austauschbaren Batterien.
Der Nachhaltigkeitsgewinn ist dabei nur ein Teil. Auch wirtschaftlich verändert Reparierbarkeit die Rechnung. Wenn ein 119-Euro-Kopfhörer nach vier Jahren mit einem neuen Akku weiterläuft, muss er nicht durch ein komplett neues Paar ersetzt werden.
Was die Fairbuds 2 technisch bieten
Fairphone verbaut 11-mm-Biozellulose-Treiber und unterstützt Bluetooth 6.0 sowie AAC, SBC, LC3 und LDAC. Damit sind sowohl klassische Kompatibilität als auch höher aufgelöste Übertragung auf passenden Android-Geräten abgedeckt.
Multipoint erlaubt zwei aktive Verbindungen. Wer tagsüber zwischen Laptop und Smartphone wechselt, muss die Kopfhörer nicht ständig neu koppeln. Bis zu sechs Geräte können gespeichert werden.
IP54 schützt gegen Staub und Spritzwasser. Für Sport und Regen reicht das in der Regel, Schwimmen ist damit natürlich nicht gemeint.
ANC, Transparenzmodus und Klang
Fairphone bewirbt Hybrid-ANC mit bis zu 45 dB Geräuschreduktion. Solche Maximalwerte lassen sich zwischen Herstellern nur begrenzt vergleichen, weil Messbedingungen variieren.
Entscheidender ist, wie gut tieffrequentes Brummen in Bahn oder Flugzeug reduziert wird und ob Stimmen natürlich genug gedämpft werden. Ohne eigenen Hörtest würden wir deshalb keine Aussage treffen, dass das ANC besser als bei AirPods, Sony oder Sennheiser sei.
LDAC ist dagegen ein klar definierter Vorteil für kompatible Android-Nutzer. Wer Spotify in Standardqualität hört, sollte den Codec aber nicht überbewerten. Passform und Abstimmung beeinflussen den Klang stärker als ein Logo in der Codec-Liste.
Akkulaufzeit und Schnellladen
Fairphone nennt bis zu acht Stunden ohne ANC und sechs Stunden mit aktivierter Geräuschunterdrückung. Zusammen mit dem Ladecase sind bis zu 40 Stunden möglich.
Zehn Minuten im Case sollen ungefähr zwei Stunden Wiedergabe liefern. Das ist praktisch, wenn man vor dem Weg zur Arbeit feststellt, dass die Earbuds leer sind.
Der eigentlich interessante Punkt bleibt aber, dass ein nach Jahren schwächer werdender Akku nicht automatisch das Ende des Produkts bedeutet.
Ersatzteile müssen außerdem leicht erhältlich sein. Wenn ein Akku zwar technisch wechselbar ist, aber nach vier Jahren nirgends verkauft wird, verpufft der Vorteil. Fairphones bisheriges Geschäftsmodell macht hier Hoffnung, garantiert die Zukunft aber nicht.
Positiv ist, dass die Konstruktion Reparatur nicht als Servicecenter-Aufgabe behandelt, sondern als Teil des Produktkonzepts.
Sieben austauschbare Teile und drei Jahre Garantie
Fairphone spricht von sieben austauschbaren Komponenten und bis zu drei Jahren Garantie. Dazu kommt eine LONGTIME-Zertifizierung und laut Hersteller ein iFixit-Score von 10/10.
Reparierbarkeit hilft allerdings nur, wenn Ersatzteile langfristig verfügbar und preislich sinnvoll bleiben. Genau das ist bei einem auf Langlebigkeit ausgerichteten Hersteller die entscheidende Verpflichtung.
Fairphone hat hier einen glaubwürdigeren Hintergrund als Marken, die Reparaturfähigkeit nur für eine einzelne Produktgeneration entdecken.
Ein weiterer Vergleichspunkt ist die App. EQ, Firmwareupdates und ANC-Einstellungen sind bei modernen In-Ears Teil des Produkts. Reparierbare Hardware hilft wenig, wenn die Software nach wenigen Jahren nicht mehr gepflegt wird. Fairphone muss deshalb auch softwareseitig langfristig liefern.
Für Nutzer von iPhone ist LDAC kein Kaufargument, da Apple diesen Codec nicht unterstützt. Dort zählen Passform, ANC, Mikrofone und Reparierbarkeit stärker.
Wie sie sich gegen klassische Marken-In-Ears positionieren
Für 119 Euro treffen die Fairbuds 2 auf starke Konkurrenz. In dieser Klasse gibt es Modelle mit sehr gutem ANC, ausgefeilten Apps und teilweise besserer Markenintegration.
Der Unterschied ist das Wertversprechen. Fairphone versucht nicht, jedes Benchmark-Rennen zu gewinnen. Die Kopfhörer sollen länger nutzbar sein.
Wer alle zwei Jahre ohnehin das neueste Modell möchte, wird diesen Vorteil kaum monetarisieren. Wer Geräte bewusst lange behält, sollte Reparierbarkeit dagegen höher gewichten als eine marginal bessere ANC-Messung.
Für Telefonate sollte man die Mikrofonqualität mitdenken. Viele In-Ears klingen beim Musikhören gut, übertragen Stimmen in Wind oder Straßenlärm aber nur mittelmäßig. Fairphones technische Daten beantworten diese Alltagssituation nicht vollständig.
Auch der Sitz entscheidet über ANC und Bass. Austauschbare Silikontips helfen, aber Menschen mit sehr kleinen oder großen Ohren sollten Rückgaberecht und Passform ernst nehmen. Ein technisch reparierbarer Earbud nützt wenig, wenn er nach 20 Minuten drückt.
Beim Kauf lohnt sich außerdem ein Blick auf die Kosten von Ersatzakkus. Reparierbarkeit ist besonders attraktiv, wenn ein Batteriewechsel deutlich günstiger bleibt als ein neues Paar. Fairphone sollte diese Teile deshalb langfristig transparent bepreisen.
Wer Kopfhörer häufig verliert, profitiert von Reparierbarkeit naturgemäß weniger. Für sorgfältige Langzeitnutzer ist das Konzept wesentlich stärker als für Menschen, die In-Ears als leicht ersetzbares Alltagszubehör behandeln.
Fazit: Reparierbarkeit ist hier ein echtes Kaufargument
Die Fairbuds 2 wären auch ohne Nachhaltigkeitsgeschichte ein ordentlich ausgestattetes Paar In-Ears. LDAC, Multipoint, ANC und 40 Stunden Gesamtlaufzeit passen zum Preis.
Die austauschbaren Akkus verändern aber den Charakter des Produkts. Für 119 Euro bekommt man nicht nur Kopfhörer, sondern die Chance, sie deutlich länger zu behalten. Genau das ist in dieser Kategorie ungewöhnlich und sinnvoll.
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Häufige Fragen
Was kosten die Fairbuds 2?
119 Euro.
Sind die Akkus wirklich austauschbar?
Ja, sowohl in den Earbuds als auch im Ladecase.
Unterstützen sie LDAC?
Ja.
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